von Markus Johannes Baier · 24. Juni 2026
Eure Website bekommt einen zweiten Besucher. Neben Menschen kommen zunehmend KI-Agenten, mit Ziel, Kontext und Berechtigung. Sie scannen kein Design. Sie suchen Angebot, Bedingungen, Preise und den nächsten Schritt.
Wie gut eure Website das unterstützt, nennen wir Agent Readiness. Sie besteht aus sechs Dimensionen, die zusammenwirken. Jede einzelne lässt sich testen. Jede einzelne entscheidet darüber, was ein Agent von eurer Website mitnimmt und ob er für euch handeln kann.
Was steht auf eurer Website? Konkret, eindeutig, in beschreibbarer Sprache? Oder marketing-poliert, in Bildern statt in Text?
Agenten lesen Text. Was nicht in Text steht, existiert für sie nicht. Eine Headline wie "Wir schaffen Möglichkeiten" sagt einem Agenten nichts. "Wir entwickeln Design Systems für AI-native Produktteams" sagt ihm alles.
Wenn der Agent euer Angebot vergleichen will, findet er Bedingungen, Preise und den nächsten Schritt?
Ein menschlicher Besucher kann durch eine Seite scrollen und semi-strukturierte Informationen interpretieren. Ein Agent braucht maschinenlesbare Strukturen wie Schema.org/JSON-LD, klare URLs und definierte Datenpunkte. Wer "ab 5.000€" als Preisangabe in einem Bild hat, ist für den Agenten nicht preislich existent.
Kann der Agent in eurem Namen handeln? Eine Beratung buchen, eine Frage stellen, ein Angebot anfragen?
Aktuell heißt das vor allem klare CTAs, die ein Agent identifizieren und an seinen User weitergeben kann. "Discovery Call buchen" mit klarem Link ist verständlich. "Lassen Sie uns reden" als zentriertes Statement ohne Link ist es nicht.
In wenigen Monaten geht es darüber hinaus. Agenten werden direkt Buchungen oder Anfragen vornehmen, ohne dass der User selbst klickt. Dafür braucht es eine API- oder MCP-Schicht mit Action-Flows und Permission- und Approval-Modellen. Wer das nicht hat, ist nicht handelbar.
Vertraut der Agent eurer Website? Hat er Signale, die Glaubwürdigkeit anzeigen?
Das sind klassische Signale wie HTTPS, klare Autorenschaft, Datum von Inhalten und Impressum. Dazu kommen neuere wie Konsistenz mit anderen Quellen über euch in LinkedIn, Wikipedia und Branchenverzeichnissen. Agenten prüfen, ob das Bild aus mehreren Quellen zusammenpasst. Wer auf seiner eigenen Seite "Marktführer" steht, aber sonst nirgendwo Spuren hinterlässt, wirkt unglaubwürdig.
Kann der Agent sich auf eurer Website orientieren? Findet er die Sitemap? Sind interne Links sauber? Gibt es robots.txt-Einträge, die ihn nicht ausschließen?
Viele Websites blockieren AI-Agenten aktiv, ohne es zu wissen. CDN-Schutz, Bot-Detection und JavaScript-only-Rendering, die als Schutz gegen Spam gedacht waren, schließen heute legitime Agenten aus. Wer testet, wie ein Agent eure Seite sieht, findet schnell heraus, ob er überhaupt durchkommt.
Kann sich eure Website an einen Agenten anpassen? Liefert sie ihm alternative Rendering-Formate, strukturierte APIs oder MCP-Endpoints?
Das ist die Zukunfts-Dimension. Aktuell haben die wenigsten Websites das. Aber wer es früh hat, wird zum Standard, an dem sich Agenten ausrichten. Wer ein MCP-Endpoint für seine Produkt-Daten anbietet, wird in der Empfehlungslandschaft zum primären Knoten.
Sichtbarkeit reicht nicht mehr. Die Frage ist nicht länger nur, ob ihr bei Google rankt, sondern ob ein Agent euer Angebot korrekt versteht, vergleicht und eine Aktion vorbereiten kann.
Jede der sechs Dimensionen lässt sich heute testen. Jede einzelne lässt sich verbessern. Aber kaum eine Website im DACH-Mittelstand erfüllt mehr als zwei davon vollständig. Das wird in den nächsten Monaten zum Differenzierungs-Faktor.
Wer das prüfen will, kann unseren kostenlosen Agent Readiness Check machen.